Weniger ist mehr

Vorgestern habe ich auf Youtube zwei Videos über Bob Holmes (Intstagram: @bobholmesphoto Webseite) gesehen. Ein wirklich Top-Fotograf in Sachen Reise- und Dokumentationsfotografie.
In den Interviews mit ihm wurde er nach der optimalen Ausrüstung gefragt. Seine, manchen vielleicht erschreckende Antwort: „Equipment is always getting in your way!“ Auf Deutsch: Ausrüstung kommt einem immer in die Quere.

Was soll das heißen? Bob ist überzeugt, dass zu viel Aursrüstung ein Hinderniss ist. Er reist deswegen ohne zusätzliches Stativ, ohne 127 Objektive und hat auch keine 5 Kameres dabei. Seine Ausrüstung beschränkt sich im Wesentlichen auf zwei Kamerabodys mit je einem Objektiv. Eines eher im Weitwinkelbereich, das andere als mittleres Tele – beides Zoom natürlich.
Einen Aufsteckblitz und ein kleines 50mm/f1.8 hat er wohl meist noch im Koffer, ist aber nicht darauf angewiesen.
Ich denke, damit hat er in der Tat alles, was man für gute Fotos unterwegs braucht. Natürlich könnten unter Umständen ein Stativ, Graufilter, eine Graukarte, zusätzlich ein Makroobjektiv und ein Ultrateleobjektiv helfen. Allerdings ist das viel zusätzliches Gewicht, das mir vermutlich nur ein einziges weiteres Foto bringt. Und am Ende mache ich wohl fünf andere Fotos nicht, weil mir mein Gepäck zu schwer geworden ist und ich früher eine Pause brauche.

Ähnlich zu dieser Herangehensweise hat mich Stephan Wiesner (Instagram: Stephan Wiesner Webseite) mit einem seiner Youtube-Videos „Kaufberatung“ zum Nachdenken gebracht. Eine seiner Aussagen in diesem Video: Mach dir klar, wo dich deine aktuelle Ausrüstung einschränkt und versuche dann diese Lücke zu schließen.
Natürlich ist es super eine Kamera zu haben, die 11 Bilder pro Sekunde schießen kann (Kudos an Sony!) – aber wenn ich in der Realität dann etwa 20 Sekunden brauche, um meine Kamera auszupacken und den Bildausschnitt zu wählen, dann habe ich hier keinen Vorteil!

Praxisbeispiel: Ich bin neulich wie so oft zur Arbeit mit dem Rad gefahren. Unterwegs sind bei uns immer Unmengen an Krähen zu sehen. Dieses Mal flog eine dieser Krähen bestimmt eine halbe Minute in 2-3 Metern Entfernung vor meinem Rad dem Sonnenaufgang entgegen – wirklich ein super Motiv. Was denke ich mir in dieser Situation? Klar, bis ich das Handy rausgeholt habe und die Kamera-App aufhabe, ist das Tier eh längst weg. Nachdem die werte Krähe dann doch nach 20 Sekunden immer noch im gleichen Elan vor mir herflog, habe ich also doch das Handy rausgeholt und versucht das Foto zu machen. Das war natürlich zu spät. Quintessenz dieser Geschichte: Dieses Foto ist nicht an dem nur mäßigen Sensor am Handy oder der Geschwindigkeit der Foto-App gescheitert – nein, das war mein Fehler. Auch mit einer schnelleren Kamera wäre mir das Foto nicht mehr geglückt. Leichter als ein Handy geht auch nicht wirklich. Insofern stimmt mal wieder: Die beste Ausrüstung ist die, die man dabei hat – und dann auch nutzt!

Wenn ihr also mal wieder vor einer Kaufentscheidung steht, dann denkt darüber nach, wo eure technischen(!) Grenzen sind und wie ihr diese eventuell umgehen könnt. Bedenkt aber auch, dass die Lösung nicht immer Technik, sondern vielleicht auch Übung ist.

Am nächsten Morgen habe ich daher das gleiche Foto nochmal probiert zu bekommen, die Situation ergab sich jedoch nicht nochmal so gut. Ein Foto habe ich dennoch gemacht. Auf Instagram war es für meine Verhältnisse der Hit – keine Ahnung, was ihr an einem Foto mit nichts in mäßiger Qualität findet. Freut mich aber, wenn ich euren Morgen aufhübschen konnte 😉

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